14. Präsidentenbrief vom April 2009

Liebe Mitglieder und Freunde der Zentraleuropäischen Diabetesgesellschaft - FID !

Die vergangenen 1 ½ Jahre waren für die Diabetologie eine bewegte Zeit. Die Publikationen der großen Endpunktstudien zur Therapie des Typ-2-Diabetes hatten für mancherlei Irritationen gesorgt. Heute besteht aber weitgehend Konsens, den Blutzucker möglichst gut einzustellen, allerdings ohne gehäufte Hypoglykämien, ohne starke Gewichtszunahme und möglichst nicht mit kaum geprüften, polypharmazeutischen Therapieregimen. In Heft 2/2009 von „Diabetes, Stoffwechsel und Herz“, unserem Offiziellen Vereinsorgan, habe ich einen - optimistischen - Rückblick über diese Studien gegeben.

Die am 26. März 2009 im New England Journal of Medicine erschienene NICE-SUGAR-Studie hat ergeben, dass eine „intensive“ Blutzuckereinstellung im Vergleich zu einer „konventionellen“  bei Einbeziehung aller Patienten auf  Intensivstationen, also nicht bei einem reinen Diabetikerkollektiv, vermehrt zu schweren Hypoglykämien und einer erhöhten  90-Tage Mortalität führte. Ein darauf sofort erschienenes Statement der Amerikanischen Diabetes-Gesellschaft, zusammen mit der American Association of Clinical Endocrinologists,  warnte davor, das Konzept einer guten Blutzuckereinstellung im Krankenhaus aufzugeben und großzügiger und lascher zu werden,  da zu hohe Blutzuckerwerte auf Intensivstationen zu Probleme wie Dehydratation und Infektanfälligkeit führen können. Bis das Ergebnis einer jetzt in Angriff genommenen Literaturauswertung zu diesem Thema vorliegt, empfehlen beide Gesellschaften, nicht das sehr strenge Blutzuckerziel der NICE-SUGAR-Studie anzustreben, welches eine mittlere Blutglukose von 115 mg/dl (6,4 mmol/l) ergeben hatte, sondern nach der konventionellen  Strategie zu verfahren,  die in dieser Studie in den „guten“ Glukosewerten von  durchschnittlich 144 mg/dl (8.1 mmol/l) resultierte.

Diese Studien  werden auf unserer  Jubiläumstagung in Salzburg vom 2.- 4. Juli 2009 besprochen und diskutiert werden. Sie sind alle herzlich eingeladen, am 4. Kongreß der Zentraleuropäischen Diabetesgesellschaft teilzunehmen. Das Programm finden Sie im Internet unter www.fid2009.org .Die Frist zur Abstracteinreichung läuft noch bis zum 30.April 2009. Sie werden aufgefordert, soweit nicht schon erfolgt,  sich mit Abstracts aktiv an unserem Salzburger Kongreß zu beteiligen. Für Autoren unter 40 Jahren stehen Reisestipendien zur Verfügung.  

Unser Salzburger Tagungspräsident, Herr Univ.-Doz. Dr. Raimund Weitgasser, stellt Salzburg mit seiner jahrhundertelangen Universitätsgeschichte und sein Diabetes-Team an der neu gegründeten Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg vor.

Mit herzlichen,
„zentraleuropäischen“ Grüßen

Prof.Dr.Helmut Schatz
Präsident der Zentraleuropäischen
Diabetesgesellschaft                                                                    Bochum, am 2. April 2009

 

 

Das Diabeteszentrum am Universitätsklinikum Salzburg

Organisator des Zentraleuropäischen Diabeteskongresses vom 2.-4- Juli 2009 zum
40-jährigen Jubiläum der FID

 

 

Kirche

Bild 1. St. Johanns Kirche in Salzburg mit den historischen Spitalsbauten rechts und links (hier befindet sich die Diabetologie).

Vom 2.-4.Juli 2009 fand in Salzburg/Österreich der 4.Kongress der Zentraleuropäischen Diabetesgesellschaft / 24. Internationales Donausymposium über Diabetes mellitus statt. Tagungspräsident war Univ.Doz.Dr.Raimund Weitgasser, tätig am Universitätsklinikum Salzburg. Diesen Namen trägt das Krankenhaus erst wenige Jahre, wenngleich es vor bereits mehr als 350 Jahren als St.Johanns Spital gegründet wurde und es in Salzburg vom Jahr 1623 bis 1810 eine Medizinische Fakultät gab. Nach Eingliederung des selbständigen Fürsterzbistums Salzburg in das Habsburgerreich nach den Napoleonischen Kriegen wurde die Universität aufgelöst. Erst 1963 kam es zur Neugründung der Paris-Lodron-Universität Salzburg, benannt nach dem Gründer und Stifter der ersten Universität im 17.Jahrhundert, Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron. Diese Neugründung hatte aber eine Medizinische Fakultät ausgeklammert. Nach Jahren vergeblichen Bemühens neben Wien, Graz und Innsbruck in Österreich eine vierte „staatliche“ Medizin-Fakultät zu errichten gelang es schließlich 2003, eine private Universität nach dem Vorbild der Mayo-Klinik in den USA zu gründen. Als Namenspatron wurde der zeitweise hier tätige und auch in Salzburg  beerdigte Pionier der modernen Heilkunde und organischen Chemie, Paracelsus Theophrastus Bombastus von Hohenheim gewählt. Das St.Johanns Spital, das Landeskrankenhaus Salzburg, wurde gemeinsam mit der Christian-Doppler-Klinik, vormals Landesnervenklinik zum Universitätsklinikum. Hier diente ein weitere Salzburger Forscher als Namensgeber.

Eingang

Bild 2. Eingang des neuen Universitätsklinikums mit dem Neubau der Chirurgie.

In dem großen Zentralkrankenhaus entwickelte sich in den letzten drei Jahrzehnten neben weiteren Spezialbereichen aus einer kleinen Diabetesambulanz ein eigener diabetologischer Schwerpunkt. Dieser ist an der Univ.Klinik für Innere Medizin I mit Gastroenterologie, Hepatologie, Nephrologie, Diabetologie und Stoffwechsel (Abteilungsvorstand der Gastroenterologe/Hepatologe Univ.Prof.Dr.Frieder Berr) angesiedelt und wird von Univ. Doz. Dr. Raimund Weitgasser geleitet. Vorwiegend Patienten mit Typ 1 Diabetes, insulinbehandeltem Typ 2 Diabetes und Gestationsdiabetes werden ambulant und stationär betreut. Diabetesambulanz und Diabetesschulung sind Anlaufstellen für Patienten, welche zur Therapiemodifikation oder zur Behandlung diabetischer Komplikationen von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie von anderen Abteilungen des Klinikums zugewiesen werden. Unter anderem zählen die Insulinpumpentherapie, der Glukosesensoreinsatz, die Untersuchung der autonomen Neuropathie mittels EKG/RR-Testbatterie und eine diabetische Fußambulanz zum Repertoire des Diabetes-Teams. Wissenschaftlich werden verschiedene Projekte im Bereich der klinischen Diabetologie, z.B. zum Gestationsdiabetes, zur diabetischen autonomen Neuropathie, zu diabetischen Komplikationen, sowie zu Glukosemesssystemen bearbeitet. Medizinstudenten der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität werden in diese Projekte integriert.

Als Pilotprojekt für ein Diabetesregister in Österreich wird zur Zeit ein derartiges Verzeichnis - vorerst für Patienten mit Typ 1 Diabetes - für das Bundesland Salzburg erstellt. Weiters wird das für ganz Österreich vorgesehene Disease Management Programm zur Verbesserung der Betreuung von Typ 2 Diabetespatienten im Land Salzburg in einer randomisierten Studie untersucht. Dabei soll prospektiv die DMP-Betreuung mit der bisherigen unstrukturierten Betreuung im Bundesland Salzburg verglichen werden. Die Ergebnisse dazu sind in den nächsten Monaten zu erwarten und werden vom Institut für Allgemein-, Familien-, und Präventivmedizin der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität erarbeitet.
Die Diabetologie der Univ-Klinik für Innere Medizin I Salzburg gilt als überregionales Referenzzentrum und bot bereits vielen Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, ihr theoretisches und praktisches Wissen zum Diabetes zu erweitern und dieses mit in die Praxis oder ein regionales Krankenhaus zu nehmen. Auch wird die Ausbildung von Diabetesberaterinnen und -beratern sowie Diätologinnen in Form von Praktika angeboten.

Diabetesteam

Bild 3. Das Diabetesteam der Universitätsklinik Salzburg mit .............................................. Univ.-Doz. Dr. R. Weitgasser (links)

Seit 2005 versieht der Leiter des Salzburger Diabeteszentrums die Vorstandsfunktion als Generalsekretär (Schriftführer und Schatzmeister) der Zentraleuropäischen Diabetesgesellschaft. Während seiner Amtszeit ist ein sprunghafter Anstieg der Mitgliederzahlen zu verzeichnen. Für den Salzburger FID-Kongreß vom 2.-4.Juli 2009 wurde ein Rekordbesuch verzeichnet, es wurde ein interessantes Kongressprogramm erstellt (siehe www.fid2009.org). Eine besondere Auszeichnung erhielt die Salzburger Diabetologie durch die Nominierung von Univ. Doz. Dr. R. Weitgasser zum Präsidenten der Österreichischen Diabetes Gesellschaft. Er wird in dieser Funktion Univ. Prof. Dr. B. Ludvik/Wien im Januar 2010 nachfolgen.